Poetenkolleg

Das Collegium poetarum et mathematicorum, auf Deutsch Kolleg der Dichter und Mathematiker, kurz Dichterkolleg oder Poetenkolleg, war eine Studiengemeinschaft zur Förderung humanistischer Bildung. Dieses Kolleg wurde 1501 von Kaiser Maximilian I. auf Initiative des Dichters Conrad Celtis an der Universität Wien als Alternative zum Studium an der traditionellen Artistenfakultät gegründet. Es hatte vier Lehrstühle: für Poetik und Rhetorik sowie zwei für mathematisch-naturwissenschaftliche Fachgebiete; die Absolventen sollten zu Dichtern gekrönt werden.
Durch den Tod des Initiators und Leiters Celtis im Jahr 1508 entstand eine kritische Situation für dieses Poetenkolleg, aber mehrere Indizien verweisen darauf, dass es weiterbestand und erst in den 1530er Jahren durch die Universitätsreformen von König Ferdinand I. in die Artistenfakultät integriert wurde.
Bereits im 15. Jahrhundert setzten sich mehrere Gelehrte dafür ein, dass die „humanistischen Studien“ an der Wiener Universität etabliert würden. Dabei nützten sie ihre Kontakte zum Wiener Hof; so stand etwa der gelehrte Humanist und spätere Papst Enea Silvio Piccolomini im Dienst von Kaiser Friedrich III., von dem er zum „poeta laureatus“ gekrönt wurde. Piccolomini war 1445 Gastvortragender an der Wiener Universität.
Die Habsburger hatten zur Wiener Universität einen besonderen Bezug, da diese vom Habsburger Rudolf I. gegründet worden war. Erzherzog Maximilian, der Sohn von Friedrich III., verfolgte sein Anliegen, dem als „modern“ geltenden Humanismus Einfluss an der Universität Wien zu verschaffen. Im Jahr 1494 errichtete er eine besoldete Fachlektur für Römisches Recht und besetzte sie durch die Berufung des Venezianers Girolamo Balbi. Er sollte außerdem Poetik an der Artistenfakultät lehren – als gekrönter Dichter wurde er auch auf diesem Gebiet für kompetent gehalten. Am Hof Maximilians gab es einige einflussreiche Humanisten: Johann Fuchsmagen, Johann Krachenberger und Bernhard Perger. Sie waren daran beteiligt, dass Konrad Celtis im Jahr 1497 nach Wien berufen wurde und eine Fachlektur für Poetik und Rhetorik erhielt.
Die Wiener Universität stand in der Tradition der Scholastik. Zwischen dieser und dem Humanismus gab es neben inhaltlichen Differenzen noch weitere Unterschiede: Die Universität betrachtete sich als eine selbständige Organisation. Die Humanisten erhielten landesfürstlich gut besoldete Fachprofessuren, womit natürlich eine Abhängigkeit verbunden war (der gekrönte Dichter war quasi ein privilegierter Außenseiter). Das humanistische Lehrprogramm wurde im Allgemeinen von den Landesherrn der Universität aufgezwungen. Die Humanisten neigten zu einem weltlichen Lebensstil, während an der scholastischen Universität klosterähnliche, klerikale Lebensformen dominierten. Mitunter kam es zu heftigen Auseinandersetzungen; die Humanisten idealisierten das klassische Latein und polemisierten gegen das „barbarische Küchenlatein“ der Scholastiker.